Eine coole Führungskraft: Stress, ein blaues Auge und DER entscheidende Karriere-Tipp

Ich bin frisch gebackene Führungskraft und sitze an meinem ersten großen Projekt im neuen Unternehmen. Meine Begeisterung und Ehrgeiz sind groß – und schnell sind Überstunden normal. Der Direktor hat sein Büro direkt gegenüber von meinem. Regelmäßig geht er gegen 18 Uhr, oft mit einer Sporttasche über der Schulter. Er spielt Rugby und es ist nicht selten, dass er mit ein paar Schrammen an den Armen am nächsten Tag wieder erscheint. Auch ein blaues Auge gab es schon mal. Solche Kampfzeichen und die Zeit für viel Sporttraining sind ja nicht so meins…

Gelegentlich schießt mir durch den Kopf: „Er hat’s gut arrangiert, dass er so pünktlich gehen kann. Naja, wenn ich mal auf diesem Level angekommen bin, kann ich mir auch solche freien Abende gönnen – bis dahin wird Gas gegeben.“

Stress-Stapel und der entscheidende Karriere-Tipp

Es ist einer der vielen Tage, an dem es richtig zur Sache geht. Als Stress empfinde ich es selbst nicht, aber lange wird es heute am Schreibtisch wieder werden.

Auf seinem Weg aus dem Büro, mit der Sporttasche über der Schulter, kommt Dirk bei mir herein und fragt, wie der aktuelle Stand in meinem Projekt ist. Innerlich habe ich eine kurze Schockstarre: Es gibt so viele Themen, die anzusprechen sind. Dann starte ich meinen Bericht. Ruhig hört er zu, stellt ein paar kurze Fragen, wirft einen Blick auf meinen Schreibtisch, bedankt sich für die Infos – und dreht sich im Herausgehen nochmal um.

Foto: Tookapic_Pexels

Erkennbar wohlmeinend sagt er dann: „Wenn es für dich jetzt schon sehr viel ist – wo soll die Energie herkommen, um die nächste Karrierestufe zu meistern, mit noch mehr Arbeit und Verantwortung? Ich gehe dann mal zu meinem Training, vielleicht hast du heute Abend auch noch etwas vor?“

Peng. Das sitzt. Er hat Recht. Sprudelnde Energie und der nächste Karrieresprung kommen nicht durch unendlich viel Arbeitseinsatz. Ich bin ihm sehr dankbar für das deutliche Signal: Für ihn zählt Arbeits-Qualität, nicht die Stunden-Quantität. Das war bei meinen früheren Chefs anders.

Nach ein paar Minuten schiebe ich die Stapel auf meinem Schreibtisch zusammen und suche im Internet nach dem Programm der Oper Frankfurt. Im Herbst geht die neue Saison los und ich wähle ein Abo für die Neuinszenierungen. Ich weiß auch schon, wer aus meinem Freundeskreis mitgehen wird. Dann mache ich mich auf den Heimweg, um meinen Opernfreund anzurufen. Wir haben schon eine Weile nicht mehr telefoniert…

Bis heute, fast zwanzig Jahre später, habe ich Dirk mit der Sporttasche, das blaue Auge, seine Schrammen und meinen Stressstapel-Schreibtisch nicht vergessen. In meinen eigenen Teams habe ich als Führungskraft auf diese Punkte intensiv geachtet.

In der Zwischenzeit sind mir noch ein paar weitere coole Führungskräfte begegnet, die ähnlich wie Dirk ohne Aufgeregtheit und mit großem Effekt sich selbst und ihr Team zu außergewöhnlichen Erfolgen motiviert haben, ohne auszubrennen. Im Lauf der Jahre habe ich allerdings auch gesehen, dass diese Stärke keine Selbstverständlichkeit ist und ständige Aufmerksamkeit braucht.

Coole Führung: Qualität, Adlerblick und Löwenstärke

Vor einigen Jahren, zu Beginn meiner Selbständigkeit, hatte ich die Aufmerksamkeit dafür verloren. Ich war wieder im Stressstapel-Modus. Bis mir Dirks Frage durch den Kopf schoss… Kurzerhand nahm ich mir dann einen halben Tag „frei“ und habe mir überlegt, was die Quintessenz der coolen Führungskräfte ist, die mir bislang begegnet sind, und wie ich diese Stärken für mich als meine eigene „Chefin“ anwenden möchte. Im Grunde sind es nur drei entscheidende Punkte, die das Schiff auf Kurs halten und auch bei Stürmen sicher zu neuen Gefilden bringen – ob für Führungskräfte in Unternehmen oder als Selbständige.

Qualität vor Quantität

Foto: luxstorm, Pixabay

Coole Führungskraft-Stärke: Es geht nicht um den Fleiß-Preis, sondern um hochwertige Ergebnisse.
Meine Strategie: Bei anstehenden Projekten prüfe ich regelmäßig, wie ich optimale Qualität mit geringstmöglichem Aufwand erreichen kann. Diese Einstellung fördert langfristig sogar die Kreativität und Methodenvielfalt bei der Suche nach dem einfachsten oder schnellsten Erfolgsweg.

Auch hier kommt mir immer wieder eine andere coole Führungskraft in den Sinn: Michael mit seiner Aufforderung: „Wenn du kein Limit bezüglich Zeit oder Geld hättest, was würdest du dann tun, um das Projekt zum Erfolg zu bringen?“ Diese Frage macht den Kopf frei für außergewöhnliche Lösungen – die am Ende oft schneller, einfacher oder genialer sind, als die Standardvarianten.

Adlerblick

Foto: Pixabay_skeeze_11321

Coole Führungskraft-Stärke: Nimm dir strategische Zeit und freie Zeit für dich selbst. Nur wer ausreichend Überblick und Kraft hat, kann sich selbst und andere erfolgreich führen.
Meine Strategie: Täglich „grüne Pausen“ mit ausreichend Nervennahrung. Ich backe an diesem Punkt bewusst viele „kleine Brötchen“, d.h. neben dem Opernabo, das ich immer noch habe, achte ich verstärkt auf kleine, regelmäßige Pausen an jedem Tag, die mir die Inspiration und den Adlerblick geben, die laufenden Aufgaben und das große Ganze im Auge zu behalten.

Deshalb stifte ich mich täglich zu kleinen „grünen Pausen“ an, in denen eine Runde im Park – oder zumindest ein Blick ins Grüne – und genussvolles Gehirn-Doping mit Nervennahrung eine wichtige Rolle spielen (hier klicken für mehr Info). Seitdem ich das regelmäßig und nicht nur gelegentlich mache, hat sich bei mir sehr viel entstresst und strategisch weiterentwickelt.

Löwenstärke für Teams

Foto: Pexels

Coole Führungskraft-Stärke: Sorge auch im Team für den Focus auf „Qualität statt Quantität“ und den Adlerblick.
Meine Strategie: Manchmal brauchen übereifrige Teammitglieder (oder man selbst) einen wohlmeinenden Kommentar zu Stressstapel-Schreibtischen, andere (oder man selbst) die „Erlaubnis“ zur Pause. Eine tägliche gemeinsame Runde bei einer Tasse Kaffee oder Tee kann so manche Teamkomplikation beruhigen oder vermeiden. Dafür braucht mein keine teuren Team-Building-Events. Besonders gefallen hat mir das in einem niederländischen Labor, in dem alle zum 11 Uhr Tee für etwa eine Viertelstunde zusammenkamen. Austausch, Kekse, Gelächter, viele neue Ideen und aufmunternde Worte bei fehlgeschlagenen Versuchen inklusive.

Das funktioniert sogar mit externen virtuellen Teams: Ein paar Minuten mit Nachfragen zum Befinden der anderen sind auch bei Video- oder Telefonkonferenzen möglich – auch das gemeinsame „Anstoßen“ mit der eigenen Tee- oder Kaffeetasse, ein paar Tipps und die Erinnerung „Habt ihr auch genug Mandeln als Nervennahrung?“ Auf dieser Basis arbeite ich mit verschiedenen Unternehmen bestens zusammen, teilweise kennen wir uns nur über Telefon und Skype.

Fazit für coole (Selbst-)Führungskräfte: Suchen Sie täglich mit Fokus auf „Qualität vor Quantität“ und dem „Adlerblick“ für sich selbst und alle beteiligten Teams nach neuen Wegen. Denn Erfolgswege führen zwar oft auf und ab oder kreuz und quer durchs Gelände bzw. Projekt. Aber in der Regel verheddern sie sich nicht in immer schneller drehenden Burnout-Hamsterrädern.

Danke an Dirk S. und Michael B. (wurde mal Zeit, das zu sagen! 😉 ) und an alle löwenstarken Führungskräfte mit Adlerblick und Qualitätsfokus, die ihre Teams unter diesem Aspekt im Auge behalten und zu außergewöhnlichen Erfolgen führen.


Dieser Artikel ist Teil der Blogparade von Thomas Reining zum Thema „Die coole Führungskraft“ (hier klicken).

Meine Empfehlung:

  • Lesen Sie auch die anderen Blogartikel zum Thema „coole Führungskraft“ auf dem Blog von Thomas Reining
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P.S. Bleiben Sie genussvoll gelassen und geistig fit!

Titelfoto: www.pexels.com

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