Bluthochdruck und daraus resultierende Herzprobleme gehören zu den weltweit größten Gesundheitsrisiken.
Doch die Ursache für ein krankes Herz liegt oft nicht allein in den Gefäßen.

Eine aktuelle Studie von Zakarauskas-Seth et al. 2026 zeigt, dass eine faszinierende Kommunikation zwischen unserem Darm, dem Gehirn und dem Herzen – die sogenannte Darm-Hirn-Herz-Achse – eine entscheidende Rolle für die Regulierung unseres Blutdrucks spielt.

Die Entdeckung dieser Verbindung zwischen Darm, Gehirn, Herz und Blutdruck ist neu.

Aber auch wenn wir mit den Erkenntnissen zur Darm-Hirn-Herz-Achse erst am Anfang stehen, wird bereits deutlich:
Die Ernährung ist ein zentraler Hebel – weit über die übliche Empfehlung zur Salzreduktion hinaus.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • wie ein einzelner Botenstoff aus dem Darm als Schalthebel für den Blutdruck wirkt
  • warum das Gehirn die entscheidende Schaltstelle zwischen Darm und Herz ist
  • welche Rolle Darmbakterien spielen – und wie Sie gezielt diejenigen fördern können, diesen Botenstoff der Blutdruckregulation bilden

Ein einzelner Botenstoff aus dem Darm als Schalthebel: Indol-3-Acetat (Indol-3-Essigsäure)

Im Zentrum der neuen Entdeckung steht ein Stoff namens Indol-3-Acetat (IAA).

Dabei handelt es sich um ein Stoffwechselprodukt, das nützliche Darmbakterien aus dem Eiweißbaustein Tryptophan herstellen.
Die Forscherinnen am Max-Delbrück-Zentrum fanden heraus, dass Menschen mit Bluthochdruck deutlich weniger von diesem schützenden Botenstoff im Blut haben als gesunde Menschen. Besonders deutlich war dieser Mangel bei Frauen messbar.

Welche Darmbakterien bilden IAA?

Mehrere Bakteriengruppen sind dafür bekannt, IAA zu bilden, insbesondere:

  • Lactobacillus (bekannt aus Joghurt und anderen milchsauren Nahrungsmitteln)
  • Bacteroides
  • Parabacteroides
  • Clostridien

Diese Bakterien gehören zu den Mikroorganismen, die Tryptophan verstoffwechseln können.

Aufgepasst:
Eine stark verarbeitete, ballaststoffarme Ernährung (typische Fertigproduktekost, Fast Food, aber auch oft Gerichte in Kantinen) reduziert die Vielfalt dieser tryptophan-metabolisierenden Bakterien.

Infobox: Wissenschaftliche Details zur Studie

  • Der Signalweg: IAA wirkt als Ligand für den Aryl-Hydrocarbon-Rezeptor (AhR) im Gehirn. Dieser Rezeptor befindet sich unter anderem auf Hypocretin-Neuronen (Hcrt+) im Hypothalamus.
  • Die neuronale Kettenreaktion: Ein Mangel an IAA führt zur Hyperaktivität dieser Hcrt-Neuronen. Dies löst einen übermäßigen sympathischen Drive aus, der über paravertebrale Ganglien direkt die Herzfunktion und den Gefäßwiderstand negativ beeinflusst.
  • Hormonelle Auswirkungen: IAA reguliert nicht nur das Nervensystem, sondern wirkt auch dem Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) entgegen. Eine Ergänzung mit IAA konnte die krankhafte Hochregulierung von Renin und Angiotensinogen verhindern.
  • Kardiopathologie: Die Studie konzentrierte sich auf die diastolische Dysfunktion (eine Störung der Entspannungsphase des Herzens) und die konzentrische Hypertrophie, wie sie häufig bei Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurffraktion (HFpEF) vorkommen.
  • Methodik: Zum Einsatz kamen unter anderem 16S-rDNA-Sequenzierungen der Darmmikrobiota, Metabolomics-Analysen sowie chemogenetische Verfahren zur gezielten Ausschaltung von Nervenzellen. Die menschlichen Daten stammen aus der MetaCardis-Kohorte.

Wie das Gehirn auf den Darm hört:
Fehlt IAA, wird das Gehirn überaktiv

Fehlt der Botenstoff IAA, gerät das Gleichgewicht im Gehirn ins Wanken.

Normalerweise wirkt IAA als Signal, das bestimmte Nervenzellen im Gehirn beruhigt.
Ohne diesen „Dämpfer“ werden diese Zellen überaktiv und senden stark aktivierende Signale an Herz und Blutgefäße.

Die Folge: Der Körper gerät in eine Art dauerhaften Stresszustand. Der Blutdruck steigt, und das Herzmuskelgewebe beginnt sich krankhaft zu verändern.

Das Herz kann nicht mehr vollständig entspannen – entsprechend steigt der diastolische Blutdruck an.

Vom Labor zum Menschen:
Bluthochdruckpatienten fehlt IAA

Die Erkenntnisse stammten zunächst aus Untersuchungen an Zebrafischen, deren Herz-Kreislauf-System dem menschlichen in vielen Aspekten ähnelt.

Durch die Gabe von IAA konnten die Forscherinnen den Bluthochdruck stoppen und sogar verhindern, dass das Herz steif und dickwandig wird.

Ein Vergleich mit menschlichen Patientendaten bestätigte: Der Zusammenhang zwischen einer gestörten Darmflora, einem Mangel an IAA und Bluthochdruck ist auch beim Menschen vorhanden.

 

Darmbakterien schützen unser Herz:
Was bedeutet das für unseren Alltag?

Diese Forschungsergebnisse unterstreichen, wie wichtig eine gesunde Darmflora für ein gesundes Herz und einen gesunden Blutdruck  ist.

Eine Ernährung, die reich an Ballaststoffen und Tryptophan ist, könnte die Produktion von schützendem IAA fördern.

Was liefert die passenden Ballaststoffe und welche Lebensmittel sind reich an Tryptophan?

Hier finden Sie einen Überblick, basierend auf den Nährwerten des Bundeslebensmittelschlüssels und der Studienlage zu Ballastostoffen, die IAA-Produzenten begünstigen:

Ballaststoffreiche Ernährung für mehr IAA

Tryptophanreiche Ernährung für mehr IAA

Fazit

Der Blutdruck beginnt nicht im Herzen, sondern im Dialog zwischen Darm, Gehirn und Herz.

Nutzen Sie die neu entdeckte Darm-Hirn-Herz-Achse, um den Blutdruck auf den Weg in den Normalbereich zu bringen:

vor allem mit tryptophanreichen Lebensmitteln und Ballaststoffen, die gezielt die IAA-bildenden Bakterien unterstützen.

Antworten auf Fragen, die mich nach Veröffentlichung des Artikels erreicht haben

(für die Antworten: auf das Plus-Zeichen klicken)

Experimentell (Tier- und Zellstudien) kann Carrageen eindeutig Darmentzündungen auslösen oder verschlimmern.
Beim Menschen gibt es Hinweise auf ein Risiko, aber kaum direkte Daten. Daher ist Carrageen hier aufgeführt, aber ausgegraut (ebenso wie Vollkorngetreideprodukte, die aus anderen Gründen für den Darm nicht empfehlenswert sind).

Empfehlung: Personen mit bestehender Darmentzündung (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) gelten als besonders empfindlich. Für diese Gruppen erscheint eine Reduktion carrageenhaltiger Lebensmittel definitiv plausibel. Als Bindemittel eignen sich grundsätzlich auch Guarkernmehl (oder Johannisbrotkernmehl – aber für diese Alternative ist nicht bekannt, ob sie IAA-Bildner unterstützt).

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